Scar-König der vier Wände

Ich war gerade ein Jahr von Zuhause ausgezogen, hatte die Liebe meines Lebens endlich an meiner Seite, die viel zu weit weg wohnte, als mir schmerzhaft bewusst wurde: Ein Leben ohne Tier geht nicht. In eine leere Wohnung kommen, niemand, der sich mit einem unterhält — nein, das war und ist nicht meine Art zu leben. Nach vielen Tränen durchstöberte ich das Internet auf Katzenbabies. Am Ende fand Michi dann diese Katze. Braun-Schwarz getigert — ein Streifen sah so aus, als trage das Baby ein schwarzes Kettchen um den Hals. Ich habe mich sofort verliebt. Wir meldeten uns und bekamen die Zusage. Wir kauften alles ein, was wir brauchten, und als wir dann da standen auf dem Parkplatz, hielten wir es dann doch nicht aus und riefen in Husum an, ob wir nicht früher kommen könnten. Tagsdarauf startete unsere Fahrt von Travemünde nach Husum. Wir kamen an und gingen direkt zu den Katzen. Die Mami (eine Katthäuser) schaute uns kurz an und ich nahm unsere kleine Katze auf den Arm — kein Miau, kein Gejammer.

Wir nahmen ihn mit ins Auto, öffneten den Deckel seiner Transportbox und er schlief tief und fest.

Beim Tierarzt die eindeutige Aussage: ein kleines Mädchen. Wir tauften sie Mia und sie machte sich super, stubenrein, verschmust und verfressen.

Nach 6 Monaten dann die Bestätigung dessen, was ich die ganze Zeit vermutete: Mia ist ein Kater. Am Morgen beim Frühstück offenbarte mir ein eindeutiges Zeichen die Wahrheit. Natürlich an einem Tag, an dem der Tierarzt erst abends aufmachte. Ich fieberte der Öffnungszeit entgegen, machte Michi und den Rest der Familie ganz verrückt und als es soweit war, steckte ich mir den kleinen Kerl in die Jacke und lief zum Tierarzt. Anmelden tat ich mich mit den Worten „Entschuldigung? Ich glaube meine Katze hat einen Penis.“ Das Lachen des Arztes verebbte als er einsehen musste, dass er mir ein halbes Jahr lang Müll erzählt hatte.

Des Tigers neuer Name: Scar — wie aus König der Löwen.

Er war kaum ein Jahr alt, als er anfing unter Schreien Blut in den Flur zu pullern. Er zitterte am ganzen Körper. Wir waren einige Male beim Arzt, kauften eine zweite Toilette aber besser wurde es einfach nicht. Bis es eines Abends dann gar nicht mehr ging. Ich schleppte ihn zum Tierarzt, den wir nach der Geschlechterdebatte gewechselt hatten. Diagnose: Grieß in der Blase, Nieren laufen nicht richtig. Er muss sofort an den Tropf. Ich ging schweren Herzen ohne ihn heim. Die Wohnung kam mir schrecklich verlassen vor.

Nach einer Woche konnten wir ihn abholen. Er war dünn, sein Fell stumpf, sein Bäuchi rasiert. Wir stellten sein Futter um und wenig später zogen wir nach Rostock — das wohl Beste was wir machen konnten.

Er begrüßt mich seither jeden Tag an der Tür, er ist immer der erste. Er springt auf das Regal neben der Tür und sein Kopf schiebt sich durch den Spalt, ein leises Mautzen gefolgt von leisem Schnurren. Ich fahr ihm dann mit meiner Hand über den Kopf und er bekommt ein Kussi auf den Kopf. Jeden Tag. Er ist mein Alltag und macht meinen Tag spannend, was ihr sicher noch das ein oder andere mal zu lesen bekommen werdet.

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Komm mit in unseren Alltag

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