[Gastbeitrag] Auf einmal ist es still….

Zu Weihnachten wird es besinnlich.
Einmal mehr wollen wir unsere Lieben bei uns haben.
Meine Freundin Julia hat dieses Jahr eine große Leere, weil sie eine Entscheidung treffen musste.
Eine richtige Entscheidung, aber eine schwere Entscheidung.

Aber lest selbst…

Julias Geschichte

Ich komme in eine leere Wohnung. Sicherlich denkt sich jetzt jeder, der kein Tier hat, an etwas Schönes. Sich ausruhen können, für sich sein, einfach mal sturmfrei haben.  Die Einsamkeit kann man auch genießen. Mit der Lieblingsserie vor dem Sofa verbringen, sich noch etwas Leckeres kochen um den Alltagsstress zu vergessen. Das klingt möglicherweise schön? Aber nicht für mich. Ich liebe den Stress, wenn ich nach Hause komme, mein Essen zu mir nehmen möchte und mich hindert jemand daran, der so lieb um Aufmerksamkeit bettelt. Mir gefällt sogar die Akrobatik-Action im Flur, während ich versuche nicht über den sehr dekorativen Vierbeiner zu fallen. Mit großer Freude erfüllen mich die schrillen Bemerkungen einer Samtpfote, die mich aus der Ruhe reißen und wieder zurück in den Alltag befördern.  Das mag schrecklich klingen, aber eigentlich lieben wir doch genau das an Ihnen. Denn sind wir ehrlich, so viel Aufmerksamkeit bekommen wir nicht oft ;). Das verstehen wohl auch nur Tierbesitzer.

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Leider ist unsere Wohnung nun stumm. Stille ist eingekehrt und ein beklemmendes Gefühl. Irgendwann im Leben eines Tieres, wie bei uns Menschen auch, kommt der Zeitpunkt an dem es Zeit ist zu gehen. Mal früher, mal später. Bei meiner Emma (Eine Mix-Katze aus norwegischer Waldkatze und Europäisch Kurzhaar) kam er leider früher, als erwartet.  Vor einem Jahr haben wir sie nochmal richtig durchchecken lassen und erst dann erfahren, dass eine ihrer Nieren schon von Geburt an nicht arbeitet und die zweite es ihr wohl droht gleich zu tun. Zu dem Zeitpunkt hat noch der Neffe von Emma bei uns gewohnt.  Den kleinen liebevollen und zugleich zu dominanten Kater, welcher Emma an jeglichen Aktivitäten spielerisch zu stören versuchte. Schweren Herzens, haben wir ihn abgegeben. Er wohnt jetzt auf einem wunderschönen Bauernhof in unserer Nähe. Es ist ein Jahr her, aber ich vermisse ihn immer noch. Dennoch weiß ich, dass ich zugunsten meiner sehr nierenkranken Katze richtig gehandelt habe und dem kleinen Mann einen  tollen Ort und eine fürsorgliche Familie ermöglicht habe. Diesen Schmerz kann man relativ schnell verarbeiten und sogar Freude empfinden.

Der schwere Weg

Nun ein Jahr später gab mir meine kleine Löwin den Impuls, das Zeichen, dass Sie gehen möchte. Man kann es kaum beschreiben, aber ich versichere jedem, dass die Zeichen eindeutig sind. Und egal, wie schmerzhaft es einem selbst gegenüber ist, haben mein Freund und ich uns richtig entschieden, sie in Ihren schlimmsten Stunden zu begleiten und zu erlösen. Selbst, wenn man sich mental darauf vorbereitet, ist es eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben durchmachen musste.  Der erste Schritt der Trauer, die Akzeptanz, ist die schlimmste. Nach tagelangem Verabschieden, brach es dennoch über mich herein. Ich bin trotzdem froh bis zum Schluss an ihrer Seite gewacht zu haben.

So bitter es ist, ist die Wohnung nun leer. Niemand, der schreiend im Flur auf dich wartet. Was mich zuvor genervt hat, vermisse ich nun umso mehr.  Nach einer gewissen Zeit habe ich es geschafft ihre Sachen wegzuräumen und mich damit auseinander zu setzen, dass sie nicht mehr zurückkommt. Der Trauerprozess findet seinen Weg und der Alltag wird zunehmend leichter, je mehr man es versucht zu verarbeiten. Denn am wichtigsten ist, dass die Entscheidung die richtige war und Emma immer in meinen Erinnerungen und in meinem Herzen einen festen Platz haben wird.

Nachfass

Emma, ich hoffe, dir geht es gut wo du jetzt bist. Ich bin froh, dass du Scars Freundin warst, dass ich mit dir spielen durfte und dich kennen durfte.
Du warst stark und hast gekämpft und dich bis in deine letzte Sekunde Julia anvertraut.

Julia, du hast das Richtige gemacht. Ich weiß das, du weißt das und Emma auch.

scar-und-emma

 

 

Komm mit in unseren Alltag

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Ja ich muss sagen – das ist meine große Angst !
Ein Abschied für immer, zu meinen geliebten Vierbeinern =(.

Toll das Julia diesen schweren Schritt gegangen ist und Emma nun frei und ohne Schmerzen im Regenbogenland ist !

Ich bin auch sehr gerührt von den Worten, habe große Angst genau vor dem Moment, von dem ich mir wünsche, dass er neimals eintreten würde. Ich weiß, dass das nicht geht. Ich weiß auch, dass das, was mich belastet, wie der strenge Tagesablauf, die Futterzubereitung pp. mir am meisten fehlen wird.

Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als wenn Socke einfach einschläft, alterschwach nach einem hoffentlich erfüllten Leben.

Wir wünschen Julia alles Gute und vielleicht bald jemanden, der sie wieder laut und freudig begrüßt.

Viele liebe Grüße
Sabine mit Socke

Bine

Auch ich musste diesen Schritt schon mehrmals gehen, nicht den mein geliebtes Tier zu erlösen, sondern vielmehr mein geliebtes Tier zu finden wie es von mir gegangen ist… Ich besaß am Anfang zwei Meersäue, dann kamen zwei Kaninchen, dann die erste Katze als Spielgefährte und Beschützer für meine große Tochter, 2014 rettete ich meine kleine Wirbelwindkatzendame aus einem Haushalt, wo man keine Zeit für sie fand und sie nur in der Küche eingesperrt war, mit ihr hatte ich so manchen Kampf auszufechten, vor allem aber den Kampf, ihr das schlingen abzugewöhnen… Und dieses Jahr kam dann unsere Hundedame dazu… Nun… Weiterlesen »

Julia

Ich hatte die Kraft nur, da ich die Unterstützung von meinem Mitmenschen hatte. Ich wusste, dass man mich auffängt, wenn ich zusammenbreche. Dennoch hatte ich Angst vor dem was kommt und wie es mir gehen wird. Ich hatte viel mehr Angst davor sie zu finden, wie sie schläft und nie wieder erwacht, als es selbst zu entscheiden. Denn die Angst war berechtigt, dass Emma einfach da liegt, war leider berechtigt. Egal auf welche Weise, ist es ein schlimmer…wahnsinnig schmerzhafter Verlust. Was du bisher mit deinen Tieren erleben musstest, berührt mich zutiefst. Jedes Tier liebt man ohne Grenzen und jeder Verlust,… Weiterlesen »