Der Hund muss ausgelastet werden

Einen Satz, den ich oft höre.
Spielen, Tricksen und ordentlich Sport. 10 Stunden am Tag mindestens und alles gemeinsam.
Die Morgenrunde sollte mindestens eine Stunde dauern. Nachmittags sollte man einen Sport mit den Hund machen. Zwischendrin immer wieder neue Tricks lernen und Abends dann noch mal eine ausführliche Runde durch den Park.

Geht das?

Ich wünschte es ginge. Morgens eine Stunde mit dem Hund raus und dabei möglichst viele Hundefreunde treffen. Bei uns auf dem Dorf kaum möglich. Wir haben wahnsinnig wenig Hundekontakt, denn die meisten sind eingesperrt in ihren Höfen und kläffen.

Nachmittags Sport. Auch eine schöne Idee. Das Angebot hier ist klein und mein Zeitfenster noch viel kleiner. Ein regelmäßiges Training wäre für Adgi und mich sicher eine bindende Maßnahme. Dog Dancing hat mich schon immer interessiert. Nur leider wird es nicht angeboten und auf der anderen Seite habe ich nicht das Glück meine Zeit frei einteilen zu können.  Ich habe Dienstzeiten zwischen 8 und 8 mit wiederkehrenden Wochenenden.

Abends ist es dunkel und ich habe Schiss. So einfach und simpel ist es. Ich habe einfach Angst, dass ich geklaut werde auch, wenn man immer wieder sagt, wer mich abends klaut, bringt mich am Morgen zurück.

Nur noch ein bisschen

Und Adgi?

Adgi geht viel mit Herrchen spazieren, gerade die großen Runden.

Wenn wir unterwegs sind ist Adgi einfach Hund. Ich liebe es, ihm zu zuschauen, wie er sich alleine beschäftigt.
Er schnuppert hier und da, wälzt sich im frisch wachsenden Gras und kaut auf einem Stock herum.
Wir haben hier eine Wiese in der Nähe, dort liegen Strohballen im hohen Gras und zwischen eine Menge Gräsern kann Adgi buddeln.
Am liebsten setze ich mich darauf und lasse Adgi machen. Nicht nur er kann sich auslassen, auch ich kann durchatmen.
Ihn in seinem „natürlichen“ Raum zu sehen bezahlt alle Gedanken, die ich mir mache, ob er artgerecht ausgelastet ist.
Der Moment, der mich sicher werden lässt ist, wenn er buddelt und schon kopfüber weg ist und plötzlich da steht und mich sucht. Wenn sein Blick mich dann findet, ruht er einen Moment auf mir.
Alles was ich mache, ist ihm anzubieten zu mir zu kommen. Ein leises „Na komm“ raune ich ihm zu. Das ist keinesfalls unser Abrufsignal, sodass sein Nichtkommen kein Ungehorsam ist.
Irgendwann gehe ich einfach weiter und Adgi steht wenige Sekunde später neben mir. Glücklich hechelnd.

Eine grabende Fledermaus

Auf dem Heimweg machen wir dann den einen oder anderen Trick.  Von links auf rechts wechseln, durch die Beine laufen, rundherum oder zwischen den Beinen mitlaufen.
Dann ist das Band so dicht zwischen uns, dass wir ohne Leine nach Hause gehen. Quer durch das Dorf, vorbei an Pferden und Autos.

Was ich damit sagen möchte

Hör auf dein Herz. Hab kein schlechtes Gewissen, dass du nicht  nur für deinen Hund lebst. Nicht ausschließlich.
Dein Hund wird dir immer zeigen, was er braucht und möchte, lass dich darauf ein zu verstehen.
Saug den Moment in dir auf, wenn dein Hund dir folgt. Nutze diesen Moment für Zuversicht. Lass dir von niemandem einreden, was du zu tun hast, solange du deinem Hund gibst, was er braucht.
Und vorallem: lass deinen Hund auch mal Hund sein. Buddeln, Stock fressen (ja ich kenn all die bösen Berichte) und in Bächen tauchen.

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Komm mit in unseren Alltag

10 Gedanken zu „Der Hund muss ausgelastet werden

  1. Ich glaube, unseren Hunden ist weder die „perfekte“ Auslastung noch die Dauer der Spaziergänge wichtig. Zeit mit uns und die Gewissheit, dass wir uns um sie kümmern – Vertrautheit, Sicherheit und Versorgung – darauf kommt es doch an.
    Ich kann die Zufriedenheit eines Hundes doch nicht in Stunden der Beschäftigung messen 😉 So wie bei euch sieht es hier auch öfter aus – nur mit dem Unterschied, hier sind es zwei Hunde – und auch die gehen gerne mal getrennt ihren Hobbies nach.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

  2. Nun, ich meine, dass jeder das so handhaben soll, wie er mag. Ich gebe zu, dass ich mich in meiner Freizeit gerne mit Socke beschäftige. Aber ich schaffe es gar nicht, Socke den ganzen Tag zu bespaßen und zu beschäftigen. Ich muss Rücksicht auf ihr Alter und ihr Wohlbefinden nehmen und auch ich habe Verpflichtungen und Bedürfnisse. Socke hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert und wir versuchen ihr schon sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. Aber für eine Dauerbespaßung, ständige Hundetreffen, Kurse, Ausflüge, Urlaube und dergleichen habe ich gar keine Zeit. Ich meine auch, dass gemeinsame Zeit für Hunde wichtig ist, nicht ein vollgefüllter Terminplan. Dazu muss ich aber sagen, dass Socke mich mehr fordert als Adgi Dich. Sie kann sich schlechter alleine beschäftigen, sondern fordert sehr schnell ihre Aufmerksamkeit auf den Gassigängen.
    Zudem gibt es immer Phasen im Leben die stressiger sind – wie bei uns gerade -. und Phasen, in denen man mehr Zeit hat und wo man mehr mit dem Hund unternimmt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  3. Auslastung – naja.

    Ich denke schon dass man dem einen oder anderen Hund, insbesondere wenn es die eine oder andere Rasse ist, eine gewisse Art der Auslastung bieten muss. Auch im Kopf. Aber übertreiben darf man es auf keinen Fall. Qualität statt Quantität ist mir wichtig!

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

  4. Wichtig ist , den Hund rassegerecht auszulasten. Das heißt aber auch, dass der Hund lernt Pause zu haben. Die meisten machen doch viel zu viel mit ihren Hunden, ziehen sich so wahre Balljunkies heran die aber keinerlei Bindung zu ihrem Menschen haben, sondern nur zu ihrem Spieli.
    Ich geh mit den Jungs spazieren und arbeite an der Bindung….. etwas Nesenarbeit und dann sind die beiden glücklich. Man muss es nicht übertreiben.

  5. Hy,
    ein schöner Text!
    Ich habe anfänglich auch gedacht „Mist, ich laste Alex zu wenig aus“, weil er sehr sportlich ist und ich nicht ständig mit ihm jogge, Agility mache oder sonst etwas. Inzwischen hat sich mein Umgang mit Alex komplett geändert. Er gehört zu den Rassen beziehungsweise seine Mischungen, die arbeiten wollen. Klar er ist flink und läuft gerne, aber am liebsten nutzt er seinen Kopf. Seit dem ich ihn sein Futter erarbeiten lasse, einmal morgens auf einer Wiese mit hinterher rennen und suchen und abends mit Futterball oder -dummy, ist er viel entspannter geworden.
    Und dann lass ich ihn auch einfach nur Hund sein. Wenn wir spazieren gehen, lassen wir uns Zeit. Alex darf überall schnüffeln, an bestimmten Stellen buddeln (was er jetzt für sich entdeckt hat), manchmal rennen wir auch kurz ein paar Meter, er darf sich im Mist suhlen, manchmal balancieren wir auch über Baumstämme, machen ein paar Tricks oder gehen auf Jagd, indem wir Tiere beobachten. Wir machen bei keinem Gang alles, sondern entscheiden spontan und ja Alex darf definitiv mit entscheiden. Manchmal möchte sich Alex auch nur über die Wiese kugeln oder wir setzen uns irgendwohin und ich kraule ihn ordentlich durch. Oft gehen wir auch nur langsam vor uns her.
    Also ich glaube auch, dass weniger manchmal mehr ist, dass man immer den Bedürfnissen des Hundes und der Rasse entsprechend handeln sollte, die Kopfarbeit nicht vergessen sollte, die bringt meist viel mehr als körperliche Auslastung, dass man den Hund vor allem Hund sein lassen sollte und einfach Zeit mit ihm verbringen, das ist denen meistens viel wichtiger, als ständige Aktivität (zumindest geht es Alex so). Man darf ja auch nicht vergessen, dass Hunde an die 16-18 Stunden schlafen beziehungsweise dösen.
    Also, Du hast absolut recht, man sollte stets auf sein Herz hören und sich nicht zu viele negative Gedanken machen!
    Viele Grüße
    Anni

  6. Danke, Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin selbst ÖKV-Trainer und oft konfrontiert
    mit völlig überdrehten Hunden, die aufgrund der ständigen „Auslastung“ keine Ruhe mehr finden. Das Endergebnis sind fiepende Nervenbündel, die Du zur Ruhe zwingen musst. Hab in meinem Blog auch was dazu gemacht („Überbeschäftigung des Hundes“
    unter https://tina-wessig.blogspot.co.at/) und am schlimmsten finde ich die Ehrgeizler im Hundesport, die sogar mit kranken Hunden zu Prüfungen und Turnieren fahren 🙁

    Alles Gute Dir und liebe Grüße aus Österreich!

  7. Hallo 🙂
    Ich finde es schön einen solchen Artikel zu lesen. Ich gehöre zu den Menschen, die sich schnell ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Und bei all den „Besserwissern“ ist das leicht passiert.
    Da tut es gut zu lesen, dass man nicht der einzige Mensch ist, der neben seinen Hund sich noch Zeit für sich nehmen muss/möchte.
    Viele Grüße
    Kristina

  8. Guten Tag
    Ich glaube wer hier Blogs liest beschäftigt sich mit Eh mit seinem Hund. Denn sonst würden wir uns keine Gedanken zu unseren Hunden machen. Wir haben drei davon .1 grosser Schäfergrösse einen mittleren und einen Dackelmischling. Wir haben einen grossen Garten und da sind wir auch viel anzutreffen. Natürlich muss ich da auch arbeiten aber meine Hunde haben dadurch auch gelernt zu warten. Die Kleinste ist die Schlauste. Wenn ich im Gewächshaus bin, bringt Sie mir das Spielzeug da rein. Aber sie wartet einfach geduldig bis ich zeit habe mit ihnen zu spielen. Auf den Spaziergängen nehmen wir es Gemütlich. Das heisst ich passe mich im Tempo den Hunden an. Am Abend wenn wir zu zweit mit den Hunden gehen, versteckt sich manchmal einer von uns. Dann dürfen sie suchen. Oder auch am Wochenende. Wir wechseln immer etwas ab. Manchmal nehmen wir Spielzeug mit, Manchmal auch nicht je nach Lust und Laune. Für uns ist das viel entspannender als früher bin ich mit denen immer am Nachmittag spielen gegangen. Aber da war dann schon von zu Hause weg so eine Erwartungshaltung. Vor allem der Grosse konnte vor lauter her jemine fast nicht pinkeln. So habe ich damit aufgehört Regelmässig mit Ihnen zu spielen. Heute ist es viel Entspannter wenn sie nicht wissen ob wir Spielen gehen oder Baden oder einfach nur Spazieren. Sie wissen dass wir alle drei über alles Lieben und ich glaub das ist ihnen wichtiger als alles andere.

  9. Wunderbare Artikel!! Bin selber erst seit 3 Monaten Hundefrauchen und musste
    ( muss!) viel lernen, wie mein Kleiner jeden Tag einen zufriedenen Hundetag hat. Es wird – auch dank Eurer Artikel täglich entspannter und Krümel wird immer mehr ein entspannter und ausgeglichener Hund. Noch bin ich auf der Suche für “ richtiges“ Futter, was ihm Freude bringt. Auch. Da werde ich langsam ruhiger und finde „unseren@ Weg. Herzlichst Biggi mit Krümel

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