Adgis Kopf-eine Melodie

„Oh Mist, erwischt!“
„Tja Adgi, ich weiß wirklich nicht, was du erwartet hast, wenn du dich oben ins Bett fallen lässt.“

„Ja, aber ich war doch ganz leise!“

„Ähm Adgi, schleichen musst du aber noch üben.“
„Ja, aber ich war schon richtig leise!“

 

So oder ähnlich unterhalte ich mich mit dem Hund. Micha macht einen großartigen Adgi-Synchronsprecher. Ein leichtes Lispeln und immer ein wenig neben der Spur. Der Hund schaut dabei auch immer passend. Weshalb ich davon ausgehe, dass wir mit der Wahl der Worte absolut richtig liegen.

Aufsteigene Gedanken

Wenn man Adgi eine Weile beobachtet, kann man die Worte und Gedanken in seinem kleinen Kopf förmlich hören und aufsteigen sehen.
Er denkt so furchtbar offensichtlich. Ab und an denkt er so scharf nach, dass ich lieber einen Eimer Wasser neben ihn stellen möchte, weil ich befürchte, dass der Kopf in Flammen aufgehen wird. Er wägt ab, denkt einen Schritt weiter und dann ist der Moment vorbei und Adgi hat ihn wegen des Denkens verpasst. Geht mir aber auch oft so.

Generell ist Adgi oft mit Grübeln beschäftigt. Oft liegt er mit offenen Augen in einer Ecke und grübelt vor sich her und dann kommt mir immer ein Songschnipsel von einer meiner Lieblingsbands AnnenMayKantereit aus „3. Stock“ in den Sinn:

Erzähl mir von dir, um mich abzulenken
Wenn das traurige Gedanken denken beginnt

Wenn der Kopf summt

Andern Tags tippelt er so vor sich her und schnüffelt hier und da, dass man eine Melodie empfängt, die in seinem Kopf vor sich geht. Als würde er die ganze Zeit summen. Gerade, wenn er mit anderen Hund unterwegs ist. Als wir mit Moe und Luna am Strand waren zum Beispiel, hatte ich das Gefühl, dass er Summen würde. Sein leises, unbeschwertes Summen. Vielleicht ist das der Schlüssel, warum andere Hund einfach mit ihm klarkommen und neben ihm her laufen. Ob seine Melodie auf die anderen Hunde wirkt? Ob sie die Melodie hören können?
Ich kann nicht mal genau sagen, dass ich sie höre, es ist eher, als würde man sie fühlen, eine Schwingung, die von ihm ausgeht und die müssen doch die anderen auch spüren, oder?

Bei unserem ersten Treffen nannte Stephie Adgi einen kleinen Autisten, der in seiner eigenen Welt steckt und irgendwie lässt mich das bis heute nicht so richtig los. Autistisch ist er vom Krankheitsbild her nicht. Nein, nein. Aber er lebt ganz und gar in seiner eigenen Welt. Mit seiner zauberhaften Melodie.

 

Wenn du mich fragen würdest, was es für ein Lied ist, dann kann ich dir kein bestimmtes nennen, auch vor summen kann ich es dir nicht, denn es ist nicht immer das Gleiche. Es kommt drauf an, wobei er summt. Wenn er schnüffelnd unterwegs ist, dann ist eine schnelle Melodie, leicht gehetzt und aufgeregt kurzatmig.

Beim Strecke machen ist es ein tiefes, verlorenes Summen. Absolut gedankenverloren und hier und da mal wieder ein bekannteres Stück aufgreifend. Als hätte er Zeit, sich Gehörtes ins Gedächtnis zu rufen. Aber genau so unstetig wie er die Seiten des Weges wechselt, genauso stetig ändert sich das Lied, durchbrochen von eigenen Sequenzen. Manchmal kommt einem nur der Bruchteil einer Sekunde bekannt vor und manchmal macht die eigene Fantasie mit dem Lied weiter.

 

Kennst du Mumble aus  „Happy Feet“ ? Der kleine Pinguin, der sein eigenes Lied hat, aber nicht singen kann, wie all die anderen Pinguine? Stattdessen steppt er seinen Herzenssong, den angeblich jeder Pinguin in sich hat und nur so seine große Liebe finden kann.
Tja, Adgi ist irgendwie wie Mumble, nur, dass er summt statt steppt und eine ganze Weile braucht, um seinen Herzenssong zu finden, während ihm viel durch den Kopf geht.

Kennst du das Gefühl?

Komm mit in unseren Alltag

4 Gedanken zu „Adgis Kopf-eine Melodie

  1. Das sind ja lustige Gedanken. Und natürlich überlege ich auch, ob Socke summt. Aber nein, das tut sie definitiv nicht. Ich höre sie nicht singen und summen. Ist sie zu sehr Dame, für die es sich nicht schickt in der Öffentlichkeit zu singen?

    Und dennoch lebt sie in ihrer Welt, die wenig Raum für andere als ihre Gedanken hat. Ich merke das immer, wenn wir auf andere, spielende Hunde treffen und Socke sich ausnahmsweise dafür interessiert. Sie geht hin, wird aber meist nicht ins Spiel integriert und sie mutiert zum Aufpasser der Hunde.
    Denken tut Socke, wenn wir ihr eine Aufgabe stellen. Sie kann sehr lange denken. So lange, dass wir gar nicht mehr daran glauben, dass sie wirklich noch über die Aufgabe nachdenkt. Aber beim Ruhen denkt Socke nicht wie Agdi….

    Hoffe es geht Dir wieder besser. Uns hat der Alltag zurück ;o(

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Nun, ein Dame müsste nur das richtige Lied auswählen. Wobei, was würde Socke wohl singen? Etwas schwerfälliges?
      Träumt Socke auch so viel?

      Naja,, es geht so. Ich vermissse Nasenspray und Hustensaft. Sehr.

      Ich hoffe, dass der Alltag euch nicht im Griff hat, sondern ihr den Alltag.

  2. Ich habe Adgi als kleinen Autisten bezeichnet? Daran kann ich mich gar nicht erinnern und es passt auch gar nicht.
    Seit unserem ersten Treffen spreche ich von ihm eigentlich immer als Adgi, der Zen-Meister und das finde ich wirklich passend. Adgi strahlt so viel Ruhe und Verbundenheit mit der Natur und dem Leben aus.
    Und bei Luna und Adgi hatte ich den Eindruck, dass sie im Kopf „Happy“ gehört haben. Sie waren so gelöst unterwegs und haben mit Freude Möwen gejagt.
    Herzliche Grüße
    Stephie

    • Ja, während Enki und Bella gedallert haben und Adgi auf einer ganz anderen Ecke im Moos gewühlt hat.

      „Happy“ hat bei der Möwenjagd sehr gut gepasst!

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