[Ablenkungsmanöver] Scheitern erlauben

Höher, schneller, weiter, niemals scheitern.
Wir erlauben es uns nicht oder stehen es und nicht ein. Nein, eigentlich trauen wir uns nicht. Denn Dinge, bei denen wir vom Erfolg nicht zu 1000% überzeugt sind wir starten wir gar nicht erst.

Ich schreibe, seit ich 16 bin. Es ist mein Ventil und manchmal denke ich, dass es vielleicht auch mein kleines Talent ist. Trotzdem sind all die geschriebenen Worte ganz tief auf meiner Festplatte vergraben. Manche haben es noch nicht mal bis in die Finger geschafft. So war es mit dem Blog auch. 2 Jahre wird er in diesem Jahr und ich habe ewig gebraucht ihn zu starten.

Warum?

Weil es in unserer Gesellschaft ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass die Dinge, die man startet von Erfolg gekrönt sein müssten. Binnen kürzester Zeit viele Follower und eine riesige Fangemeinschaft müssen es sein, wenn man ernst genommen werden will.
Man wird oft gefragt „Wofür machst du das?“ „Was bekommst du dafür?“

Wenn man sich zufrieden gibt mit dem, was man hat, dann kommt das für viele schon dem Misserfolg gleich. Klar, ich freue mich, wenn ich auf Facebook die 200er Marke knacke aber das, was mir die Tränen in die Augen treibt sind andere Dinge.

Eine liebe Freundin wohnt im Ausland, in London, wo jeder was anderes macht, eine Stadt in der man glaubt, der Erfolg ist an der nächsten Ecke.
Sie öffnete mir die Augen und sagt „Anika, mach dein Ding. Was uns Deutschen fehlt ist eine Kultur des Scheiterns, denn wir dürfen nicht scheitern und starten deswegen nicht.“ Und Recht hat sie.

Kultur des Scheiterns

Manchmal trifft man Menschen, die man ewig nicht gesehen hat und man erzählt sich, was man macht und wenn man nicht schon Haus, Hof und Managerposition hat und noch dazu  die Megapartys feiert, kann man schnell mal verurteilt werden.
Kennst du noch die Werbung, in der sich zwei Männer gegenüber sitzen und der eine Bilder auf den Tisch schmeißt mit den Worten „Mein Haus. Mein Boot. Mein Auto.“? Eine treffendere Beschreibung gibt es fast gar nicht. In meinen Augen.
Wir streben fortwährend nach Perfektion. Perfektion der anderen, nicht der eigenen Auffassung davon. Läden und Internet sind voll von Selbstverbesserungsanleitungen. Man kann sich Vorträge anhören oder geht zu Networkingabenden. Wir werden getrieben, wir jagen durchs Leben, wollen den Rasen grüner haben als der Nachbar, die Frisur schöner als die Kollegin.

Fuck up

Zum Leben gehört Scheitern. Scheitern macht uns stark, lehrt uns den Erfolg zu erkennen, zu schätzen und ihn zu ertragen.

Es schwappt aus dem Ausland zu uns und wird auch hier ein beliebter Abendvertreib, sogenannte „Fuck up Nights“. Es wird vom Scheitern erzählt, was nicht geklappt hat.

Und ich sage jetzt nicht, du sollst dort sofort hin. Nein, ich möchte sagen, dass Scheitern ein Teil von dir ist und du dich nicht verrückt machen sollst immer alles zu gewinnen. Du musst keine Millionen machen, du musst deinen Träumen folgen und den Mut besitzen, das Scheitern abzuwägen und ihm entgegen zu setzen. Scheitern sollte kein Ende sein, sondern eine Grenze, die es gilt zu überschreiten.
 

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Ich bin sehr froh keine 20 Jahre mehr zu sein und meinen Weg gefunden zu haben. Ich muss niemanden mehr etwas beweisen und darf unperfekt sein. Und meine vermeintlich größten Niederlagen führten mich immer auch einem neuen Weg, der sich nachher als goldrichtig erwiesen hat. Ich hätte diese zwar nicht mit anderen zelebrieren wollen, aber rückwirkend, führten sie mich auf den richtigen weg, zu dem ich auch mein Leben mit socke zähle…..

Viele liebe Grüße
Sabine mit Socke